balance

Gehörst du wie ich zu den Menschen, die sowohl mit einer hohen Begabung als auch einer hohen Sensibilität gesegnet sind? Dann hast du dich vielleicht schon mal öfter gefragt, wie du das Gleichgewicht zwischen diesen beiden Anteilen deiner Persönlichkeit findest. Die Frage kann zum Beispiel auftauchen, wenn du eigentlich Lust hast, an einer intellektuell anregenden Veranstaltung teilzunehmen, gleichzeitig aber innerlich starken Widerstand dagegen spürst, weil du fürchtest, dass dir die vielen Menschen, der Small Talk, usw., zu viel sein werden. Es kann auch sein, dass du tausend tolle Projektideen hast, dir aber bei dem Gedanken an die Umsetzung, zum Beispiel an das Networking, die Selbstvermarktung, usw., flau im Magen wird oder der Schweiß ausbricht, weil du denkst, dass du dafür zu schüchtern bist.

Solche Situationen kenne ich sehr gut, und obwohl ich auch früher schon häufig intuitiv Phasen der intellektuellen Stimulation mit Phasen der Ruhe und inneren Einkehr kombiniert habe, ist es für mich wichtig, mir diese Balance immer wieder bewusst zu machen und sie auch ganz bewusst zu leben.

Bei mir war es immer schon so, dass ich als intellektuell besonders leistungsfähig und überaus konzentrationsstark wahrgenommen wurde. Hierfür bekam und bekomme ich viel positives Feedback und Wertschätzung. Dadurch hatte dieser Aspekt meiner Persönlichkeit immer schon eine positive Konnotation für mich.

Anders meine träumerische Seite: Hierfür bekam ich keine Anerkennung. Entsprechend habe ich mir Zeit zum träumen, kreativ und künstlerisch sein, meditativen Spaziergängen, usw., auch nur als „Ausgleich“ und „Belohnung“ für harte Arbeit und Erfolge „gegönnt“. Inzwischen habe ich mir immer wieder bewusst gemacht, dass diese Seite zu meiner Persönlichkeit gehört, und sie in Selbstliebe angenommen.

Es kann aber auch anders herum sein, dass du für deine empathische und fürsorgliche Art viel Wertschätzung erfährst, deine intellektuelle Begabung dagegen als arrogant, störend, besserwisserisch, usw., wahrgenommen wird. Das passiert häufig Frauen in der Mutterrolle. Auch das wird dir nicht gerecht!

Es geht also nicht nur darum, auf seine innere Stimme zu hören, bei Reizüberflutung einen Gang zurückzuschalten und sich ausreichend Pausen zu gönnen, sondern darum, beiden Persönlichkeitsanteilen Raum zur Entfaltung zu geben. Beide sind wertvoll.

Hast du einen intellektuell anregenden und herausfordernden Beruf, solltest du dir außerhalb der Arbeitszeiten Raum für Bewegung in der Natur, Rückzug, Meditation, gestalterische oder fürsorgliche Tätigkeiten, usw., nehmen – zusätzlich zu Beziehungen, Familie und Freunden. Damit nicht alles zu viel wird, solltest du auf Treffen mit Kollegen außerhalb der Arbeitszeit und ähnliches verzichten. Kannst du dagegen deine Empathie und Kreativität in deinem intellektuell eher langweiligen Beruf ausleben, findest du Stimulation in Fortbildungen, beim Networking, usw. Oder du schreibst ein Buch oder bloggst über deine Leidenschaften.

Manchmal ist es bei mir aber auch so, dass ich in meinen „Ruhezeiten“ einfach nicht abschalten kann, weil mich irgendwelche intellektuellen Probleme so sehr beschäftigen. Oder aber ich setze mich unter Druck, weil mir gerade keine kreative Inspiration kommen will. Dann ist es total wichtig, den beiden Persönlichkeitsanteilen nicht nur jeweils ihren Raum zu geben, sondern sie dann auszuleben, wenn es ihnen gerade passt. – Ja, genau!

Du brauchst nicht auf Knopfdruck kreativ oder konzentriert zu sein – das bist du einfach nicht. Klar kann es Situationen gben, in denen das eine oder andere wirklich mal unbedingt erforderlich ist. Dann muss es aber einen wirklich trifftigen Grund geben!

Das bedeutet für dich als doppelt Beschenkter, dass eine freie und flexible Zeiteinteilung für dich sehr wichtig ist. Die Grundlagen hierfür kannt du legen, indem du freiberuflich arbeitest oder mit deinem Arbeitgeber Gleitzeit und Home Office vereinbarst und mit deinem Partner klar und regelmäßig über deine Bedürfnisse, auch im Hinblick auf die Aufteilung etwaiger Familienarbeit, sprichst. Und dann konsequent auf deine aktuellen Bedürfnisse lauschst. Und ihnen folgst.

In Momenten, in denen das alles nicht funktioniert, hilft mir immer noch eines: Autofahren. Autofahren entspannt mich total: Die erforderliche Konzentration saugt meine intellektuelle Unruhe auf. Übrig bleibt ein ruhiger Raum, in dem ich ohne schlechtes Gewissen (etwas kreatives produzieren oder mich jemandem empathisch widmen zu wollen) entspannen und träumen kann. Und oft kommen mir dann unerhofft wunderbare Ideen 🙂

Sei in deiner Balance – das wünscht dir Antje