Du bist wertvoll. Ja, klar: Jeder Mensch ist wertvoll. Leider wird das viel zu oft vergessen. Aber darüber möchte ich heute gar nicht schreiben. Sondern darüber, wie wertvoll du als hochbegabter Mensch für andere Menschen bist.

Sei_wild_sei_frei

Hochbegabte Menschen sind häufig wenig selbstbewusst, überkritisch mit sich selbst und perfektionistisch. Klar, denn dank ihrer raschen Auffassungsgabe sehen sie Gefahren, die anderen weit weg erscheinen, ideale Ergebnisse, von denen andere nicht mal träumen und kleinste Fehler, die anderen auch bei sorgfältiger Prüfung nicht auffallen.

Häufig machen hochbegabte Menschen sich zusätzlich das Leben selbst schwer: Aus Angst, als arrogant wahrgenommen zu werden, verstecken sie ihre besonderen Talente. Stattdessen driften sie möglicherweise in über-komplizierte Erklärungen, Verfahren und Kommunikationen ab. Oder sie wenden all ihre Energie dafür auf, die an sie gestellten Anforderungen möglichst genau auf den Punkt zu erfüllen, was – da es sich um andere Maßstäbe als die eigenen, um zum großen Teil ineffiziente und/oder einengende Konventionen, handelt – sehr erschöpfend sein kann. In jedem Fall ist nur sehr wenig Raum für die eigene Besonderheit, fürs Um-die-Ecke-Denken, fürs Alles-in-Frage-Stellen, fürs Neue-Regeln-Erfinden, fürs Wahrhaft-kreativ-Sein.

Wenn das so ist, wenn sich der hochbegabte Mensch mit seinem bunten Potential absichtlich und mit großer Mühe versteckt, sich mit Selbstzweifeln über sein Anderssein quält, dann fällt es anderen natürlich schwer, seinen Wert zutreffend wahrzunehmen und zu schätzen.

Die gute Nachricht ist, dass diese Situation verändert werden kann. Indem du als hochbegabter Mensch zeigst, wie du bist. Mit deinen spontanen Gedanken, mit deinen kreativen Einfällen, mit deinem Widerspruch. Die Voraussetzung dafür ist, dass du dein Umfeld anerkennst – mit seinen Schwächen, seinen unlogischen Regeln, seinen eingefahrenen Gewohnheiten, seiner Angst vor dem Neuen. Diese Anerkennung ist als Basis für gegenseitige Wertschätzung extrem wichtig.

Andererseits hilft es uns als Hoch- und Vielbegabten auch nicht, bestehende soziale Systeme – Familienkonstellationen, politische Interaktion, Unternehmen und andere Organisationen – ernst zu nehmen. Denn dann geraten wir in den oben beschriebenen Selbstzweifel und die Erschöpfung, weil uns die Anpassung so schwer fällt.

Im Grunde schwanken wir ja in unserem Verhältnis zum „Rest der Welt“ regelmäßig zwischen Verachtung und Verzweiflung. Die goldene Mitte ist für mich persönlich eine liebevoll-ironische Verbindung.

Bist du mit deinen Begabungen im Reinen und in einer solchen Balance, dann werden dich auch die anderen mit deinen Besonderheiten anerkennen. Sie werden sich über deine Schnelligkeit freuen, denn sie wissen, dass deine Motivation hierfür nicht darin liegt, sie auf ihrem Weg zu überholen, sondern deinen eigenen zu gehen. Sie werden dankbar sein für deine Offenheit, denn sie werden erkennen, dass du Dinge aussprichst, die sie nicht zu denken gewagt haben, obwohl sie ihnen auf der Seele lagen. Sie werden deine Klarheit schätzen, weil sie ihnen Umwege erspart. Sie werden sich selbst für Neues öffnen, weil dein Mut sie inspiriert.

Sei wild. Sei frei. – Das wünscht dir von Herzen, Antje